Archive for the ‘Uncategorized’ Category

System-Theorien

16. Oktober 2014

Interessante Modifikationen – allenfalls

Gibt es (soziale) Systeme?
http://rolftodesco.wordpress.com/2014/10/15/es-gibt-keine-sozialen-systeme/

die “2-Systeme-Theorie”
http://rolftodesco.wordpress.com/2014/10/16/die-2-systeme-theorie/

Selfie, Sex und Politik

18. August 2014

sexselfyalso vorab, ich schreib das nur, weil dieser Titel ganz sicher viel Aufmerksamkeit bekommt. Mein Titel – und das macht ihn so boulevardig scharf – suggeriert einen Zusammenhang zwischen Sex und Politik, womit ich meinen Blog über Politik (und vor allem mich selbst) sexy in Szene setzen kann. Ich nehme dabei beistimmend zur Kenntnis, was Rolt Todesco hier (im Kommentar!) dazu geschrieben hat. Mit dem hier zitierten „ich“ meine ich also auch MICH:

„noch viel peinlicher als jedes Selfie finde ICH, was ich hier gerade mache, nämlich das Kommentieren von Selfies und das Kommentieren von Kommentaren zu Selfies. Am peinlichsten finde ich moralische Vorstellungen, was natürlich auch eine moralische Vorstellung ist. Hier spiegelt sich der Boulevard im Exzess, was aber gerade seine Potenz ausmacht, von der ich hier – via Selfies eines sexuellen Politikers – im Anschluss an Qualitätsjournalismus jeder Art profitieren will. Ich kenne kein Medium, dass das nicht ausführlich versucht. In der NZZ gibt es mehrere Beiträge. Da muss ich doch auch.

Also: nackte Selfies sind pervers, eine Perversion davon, dass Selfies immer Nacktheit (ab)bilden. Mit meinen Selfies zeige ich mich, wie ich wirklich bin. Wenn ein Politiker zeigt, wie er ist, sollte er als Politiker sofort zurücktreten, weil er dann offensichtlich nicht verstanden hat, was Politiker tun. Sie zeigen wählbare Menschenbilder, jedenfalls wird das von ihnen via Volkswahlen verlangt. Deshalb sind Wahlplakate bislang keine Selfies gewesen – mal sehen, ob sich das demnächst ändern wird. Anfänge sind jedenfalls gemacht. Heute gerade ist der Geri jedenfalls sehr bekannt

Piraten, passt auf !!

25. September 2013

piraten1Die Piraten winden sich, weil sie den Bundestag nicht entern konnten, und einige der Deepen-Piraten winden sich ganz besonders, weil genau sie im grossen Kino anzutreffen gewesen wären, wenn sie den Budestag hätten entern können.
Piraten – so interpretiere ich jedenfalls das Wort – wären im Parlament gar keine Piraten. Sie wären Freibeuter wie Francis Drake, der ein ganz übler Pirat war, aber eben nicht als böser Pirat sondern als Vertreter des damaliegen „evil empire“, also mit dem Segen des Parlaments. Aber viele sich jetzt windende Piraten verstehen die Partei ganz offensichtlich nicht als Differenz und ihre Partei mithin nicht als Aufhebeung der Partei. Viele Piraten entpuppen sich in Form einer erlebten Niederlage beim Entern als verkleidete Parteipolitiker, die nach Ämtern streben – was ja auch einer Wortbedeutung von Piraterie entspricht: Sie wollten Wählerstimmen „entern“ und sind jetzt frustriert, nicht weil die Partei nicht im Bundestag ist, sondern weil sie selbst nicht im Bundestag sind.
Die Piraten – nicht die Freibeuter, die zum System gehören (möchten) – sind eine wichtige Institution. Piraten werden durch eine Partei bedroht, die sie  domestizieren will, so wie Söldner vor 500 Jahren zu Soldaten gemacht wurden. Piraten, passt auf  !!

Zur Fusion von kleinen Gemeinden

21. September 2013

Andreas Schürer schreibt in der NZZ vom 21.9.2013 über die Fusion von kleinen Gemeinden, dass diese ihre Angelegenheiten in Zweckverbänden organisieren, weil sie die Aufgaben nicht eigenständig erfüllen könnten. Ich wohne in einer kleinen Gemeinde und vertrete diese als Delegierter in einigen Zweckverbänden. Bei den Delegiertenversammlungen kommen jeweils neben den Fachleuten des Zweckverbandes Delegierte aus 14 sehr verschiedenen Gemeinden zusammen und suchen nach gemeinsamen Lösungen. Diese Delegierten sind in ihren Gemeinden mit dem jeweiligen Ressort betraut und kennen deshalb die Materie im Normalfall wesentlich besser als die übrigen Gemeinderäte, die sich ja um ihre Ressort kümmern müssen. Lösungen, die in Zweckverbänden erarbeitet werden, sind viel breiter abgestützt als die Beschlüsse (eines Rates) einer einzelnen Gemeinde. Sie sind mithin demokratischer und berücksichtigen die unterschiedlichen Belastungen und die gemeinsamen Interessen verschiedener und verschieden reichen Gemeinden.

Natürlich ist das Verfahren des Zweckverbandes etwas aufwendig, aber im Normalfall werden die Aufwände bei der Suche nach Lösungen durch die Umsetzung derselben Lösung mehr als kompensiert. Der Zweckverband ist eine sehr gute Institution, gerade weil er kleine, relativ autonome Gemeinden ermöglicht. Kleine Gemeinden sind im Sinne einer Artenvielfalt von Vorteil und sie bringen viele Menschen viel stärker mitten in die Politik. Viele Wähler kennen die Wahlkandidaten und müssen nicht irgendwelchen Parteiparolen folgen. In den kleinen Gemeinden spielen die Parteien eine vergleichsweise geringe Rolle, mehr als die Hälfte der Behörden gehören gar keiner Partei an, so dass die Geschäfte sachlich nicht parteisch angegangen werden können.

Kleine Gemeinden sind wie KMUs, sie sind – von Kapitalkonzentrationsvorteilen abgesehen – effizienter als die Grossen und vor allem demokratischer. Fusionen zentralisieren und verletzen die Regel: Small is beautiful.

Rolf Todesco

Soziologie

15. Januar 2013

Soziologie ist eine Wissenschaft, die Sozietäten beschreibt.

Unter autopoietischen Gesichtspunkten entwickelte sich die Soziologie im Milieu der politischen Nationaloekonomie als Differenz zwischen abstrakter Verwaltungs- oder Organisationswissenschaften und politisch motivierter Sozialphilosophie.

Die deutschsprachige Soziologie widerspiegelt diese Differenz auch nach dem 2. Weltkrieg. H. Schelsky vertritt die Verwaltungswissenschaft und protegiert N. Luhmann, während T. Adorno mit der Frankfurter Schule die Sozialphilosophie hochhält. Im sogenannten Positivismusstreit wird die Differenz noch wissenschaftstheoretisch lanciert, danach aber wird dieser Streit zwischen J. Habermas und N. Luhmann innerhalb der Soziologie in „Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie“ ausgetragen, wo J. Habermas N. Luhmann eine reaktionäre Verwendung der Systemtheorie vorwirft.

N. Luhmann stellte fest, dass die Soziologie vor seinem Werk keine Theorie hatte, man könnte auch sagen, keinen konsensuellen Gegenstandsbereich, weil ein eigentlicher Gesellschaftsbegriff im Konsens – auch in der Zeit nach N. Luhmann – fehlt. N. Luhmann – sebst kein ausgebildeter Soziologe, aber in der Tradition von T. Parsons arbeitend – hat eine Theorie funktionaler Systeme als allgemeine soziologische Theorie vorgeschlagen, die auf einer speziellen Interpretation der Autopoiese beruht, also eine spezielle Systemtheorie darstellt.

PS: Es gibt eine vom theoretischen Diskurs losgelöste „angewandte Soziologie“, die sich als methodologisch begründete Forschung auffassen lässt. Typische Fragestellungen betreffen die Vorhersagbarkeit von sozietalen Verhältnissen wie Altersstrukturen der Bevölkerungen, Migrationen, Berufsfelder usw.

Warum nicht mal ein Neger?

18. Februar 2012

Titanich fragt heute:

Spontan wüsste ich nicht, was gegen Neger spricht, aber die NZZ von heute weiss es recht genau:

Wer in Afrika eine bestimmte Adresse sucht, muss viele
Hindernisse überwinden. «Das findest du einfach – zehn Zinuten zu Fuss und um die Ecke», sagt Charity, die im sambischen Städtchen Mpulungu am Tanganjikasee ein Gästehaus betreibt. Die Anfrage betraf ein etabliertes mittelgrosses Fischereiunternehmen.

Weder der gesuchte Betrieb noch eine Ecke sind nach ehn, fünfzehn oder dreissig Minuten Fussmarsch auszumachen. Entlang des Wegs halten hilfreiche Geister nicht mit gutem Rat zurück, aber auch ihre Angaben führen jeweils in die Irre. Das gilt selbst für den Personalchef der lokalen Schulbehörde, dessen Büro im Quartier liegt.

Afrikanern fällt es oft schwer zu abstrahieren, und was anderes als eine Abstraktion ist eine Wegbeschreibung? Charity würde den Fischereibetrieb im Schlaf finden, aber sie kann den Weg dorthin nicht beschreiben. Erst recht sollte man sie nicht um eine Wegskizze bitten. Afrikaner benötigen freilich selber nie Wegbeschreibungen. Kommen sie als Fremde in eine Gegend, zum Beispiel auf der Suche nach einem Verwandten, gibt man ihnen einen Ortskundigen zum Geleit. Kinder, die dies können, sind immer und überall zur Hand.

Anders als Charity haben die hilfsbereiten Passanten am Weg keine Ahnung von dem Fischereibetrieb. Wieso sagen sie das nicht? Eine Erklärung bietet die Scheu, das Gesicht zu verlieren – dies würde tun, wer dem Fremden die Bitte um Ratschlag abweist. Ausserdem ziehen Afrikaner die unmittelbare Befriedigung der aufgesparten Zufriedenheit meistens vor. Hier und jetzt weisen sie dem nichtsahnenden Besucher gerne die Richtung. Dessen Gesicht hellt sich auf; er ist dankbar. An seine spätere Enttäuschung denken sie nicht. Wenn er zurückkehrt, sind sie ohnehin über alle Berge.

Bleibt der Personalchef. Als sich zeigt, dass sein Rat wertlos ist, erklärt er, er kenne den Fischereibetrieb nicht. Wohnt er nicht seit vielen Jahren in dem Quartier? Doch, antwortet er, aber Fischerei sei nicht sein Ressort. Neugier um der Neugier willen ist ihm – und vielen Afrikanern – unbekannt. (NNZ, 18.2.2012, S.2)

Technokratie

6. Dezember 2011

Technokratie heisst ein Konzept, das der amerikanische Soziologe T. Veblen in Anlehnung an J. Maxwell’s Governator vorgeschlagen hat. T. Veblen argumentierte, dass Ingenieure am besten mit komplizierten Systemen umgehen können und deshalb auch die politische Führung des Staates übernehmen sollten. Sie sollten den Staat optimal „regeln“. Die Steuermann’s-Logik (Governator, Kybernetes) hat J. Maxwell via J. Watt von Plato übernommen.

Als Technokratie bezeichnet T. Veblen eine Gesellschaft, in der die rationale, effektive Planung und Durchführung aller gesellschaftlichen Ziele vorherrscht. Die Ausrichtung der gesellschaftlichen Entwicklung nach wissenschaftlich-technischen Kriterien verringert die Bedeutung demokratischer Willensbildung und politischer Entscheidungsprozesse. Abgestimmt (oder entschieden) werden muss nur was nicht rational oder logisch entscheidbar ist. Schon Aristoteles bezeichnet die Demokratie als schlechte Regierungsform, in welcher zu viele ohne Sachverstand mitreden.

Allen Technokraten gemeinsam ist, dass die Regierung des Staates das Ziel des Staates kennt. Das ist das Wesen der Technokratie.

In modernen Gesellschaften bezeichnet „Technokratie“ nicht mehr die technische Regelung, sondern die juristische Auslegung der Regelungsanweisungen. Ein passenderes Wort wäre Juristokratie.

Technokratie wird oft als Schimpfwort gebraucht, weil gute Erfahrungen damit selten sind. Vielleicht sind die Technokraten zu technisch oder eben normalerweise auf falsche Ziele hin ausgerichtet, die sie selbst nicht problematisieren können, weil das ja politisches Handeln wäre. Aber stimmt wohl, dass wir uns um die Technokraten nicht mehr kümmern müssen, weil sie schon längst von den Juristokraten abgelöst wurden.

Zur Juristokratie habe ich gerade einen interessanten Vorschlag gefunden. R. Todesco schreibt: im Sinne der Gewaltenteilung: Da im juristischen Prozess Kläger und Verteidiger Juristen sind, dürfen die Richter keine Juristen sein (oder eben nur, wenn die Voraussetzung ausnahmsweise nicht erfüllt ist).

Noch oder Doch besser als Plagiate

18. August 2011

Als Plagiat bezeichne ich die Differenz zwischen einem „Copy and Paste“, bei welchem ich vergesse, die Quelle mit zu pasten, und einem „Copy and Paste“, bei welchem ich die Quelle nicht kenne. Aber wie kann ich kopieren, wenn ich die Quelle nicht vor mir habe? Natürlich aus dem Gedächtnis. Und in meinem Gedächtnis gibt es ein paar Lücken, so dass ich bei vielem nicht mehr weiss, woher ich es habe.

Aber viel raffinierter scheint mir das Plagieren im umgekehrten Sinn. Ich lese beispielsweise in einer Sekundärliteatur einer Sekundärliteratur einer Sekundärliteratur … ein Zitat. Sagen wir von „einem Unterschied der einen Unterschied macht“. Und weil sich alle Zitierer vor mir so wie ich verhalten, steht beim Zitat immer noch die ursprüngliche Quelle, im Beispiel also G. Bateson, Geist und Natur, 1987/1995, 126f. oder so. Ich paste also diese Quelle mit, obwohl ich sie nie gesehen habe. Dieses Plagieren plagiert damit, ein Buch gelesen zu haben, ohne es je gesehen zu haben. Dieses Plagieren ist ein bisschen legal: Gib lieber eine Quelle an, die Du nicht kennst, als keine Quelle. Ganz legal ist es eigentlich nicht, aber wenn immer alle richtig zitiert haben, macht es ja keinen Unterschied. Es sei denn, mein Leser würde etwas merken – etwa, dass ich die Sache offensichtlich ausgerechnet so verstanden habe, wie sie in einer einschlägigen Sekundärliteratur dargestellt wird. Na ja.

Und dann gibt es noch eine Variante: Ich finde in der Sekundärliteratur Postulate, die so evident und bekannt sind, dass ich sie nicht zitieren muss weil sie sozusagen Allgemeingut geworden sind. Sie bieten mir Gelegenheit noch ein paar unspezifische Literaturangaben zu machen wie etwa N. Luhmann 1999, Gesellschaft der Gesellschaft, weil dort wie bei anderen Extremvielschreiber jede Idee irgendwie zu finden ist. Gut, dieses Buch habe ich natürlich auch nicht gelesen, aber in der Sekundärliteratur habe ich schon oft gelesen, was ich dort alles lesen könnte. Im hinreichend unspzifischen Formulieren kann ich also ohne weiteres etwas mit grossen Werken plagieren. Das ist nicht ganz legal, aber .. na ja.

Und wenn hinreichend viele Autoren einander Gemeinplätze abschreiben und unspezifische Quellen mitführen, wird die Sache immer zitierfähiger. Man kann heutzutage beispielsweise ohne weiteres von einem Paradigmenwechsel in der Systemtheorie berichten und auf N. Luhmann verweisen – ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, worin dieser Paradigmenwechesel bestehen könnte oder inwiefern es sich wobei auch immer überhaupt um Paradigmen handeln könnte. Man kann mit grossen Konzepten plagieren und das ist fast ganz legal.

Systemlehre

7. Juni 2011

L. von Bertalanffy publizierte seine Auffassung von Systemen seit 1928, im Buch „Theoretische Biologie (1932) führte er den Begriff „offenes System“ ein, den Ausdruck „System“ verwendet er 1940 im Titel: „Der Organismus als System betrachtet“ und 1945 (also quasi mitten im verlorenen Krieg) publiziert er „Zu einer allgemeinen Systemlehre“. Danach folgen seine einschlägigen Publikaionen Schlag auf Schlag: „Das biologische Weltbild“ (1949), „An Outline of General System Theory“ und „The Theory of Open Systems in Physics and Biology“ (1950), „Biophysik des Fliessgleichgewichts“ (1953) und schliesslich „General System Theory“ (1968) – (Quelle: Vorwort von F. von Bertalanffy zur Neuauflage von „Das biologische Weltbild“ (1989)).

Zwei kritische Anmerkungen, die zusammengehören:
L. von Bertalanffy hebt den Unterschied zwischen Lehre und Theorie auf, und er spricht von System obwohl er scheinbar Organismen meint. Mit beiden Redeweisen hat er nachhaltige Komplikationen produziert, er wird immer wieder als Begründer der Systemtheorie bezeichnet und seine „Systeme“ sind offen, während jene der Systemtheorie geschlossen sind.
Dass seine Wortwahl unglücklich ist, hat er offenbar selbst auch gemerkt, sein Sohn Felix kommentiert das jedenfalls so im oben erwähnten Vorwort:
„Als Resultat der Konzeption der offenen Systeme lebender Organismen entwickelte von Bertalanffy seine „Allgemeine Systemlehre“. Eine erste Abhandlung darüber erschien 1945. Der Begriff wurde dann später als general systems theory ins Englische übersetzt Übersetzung ist etwas oberflächlich und nicht völlig richtig, denn „Lehre“ ist nicht synonym mit dem englischen theory. Aber general systems theory ist die Bezeichnung, die heute universell verwendet wird “ (S. VIII)
Die Differenz zwischen Lehre und Theorie bleibt auch bei Felix von Bertalanffy unerläutert, ist im Kontext aber lesbar als Differenz zwischen „philosophischem Weltbid“ und Wissenschaft: „(…) so hatte von Bertalanffy ursprünglich um die Mitte der zwanziger Jahre begonnen, Arbeiten philosophischen Inhalts zu publizieren. (…) Die Pionierarbeit (…) war der Band I seiner Theoretischen Biologie“ (S. VII), worin er den Begriff „offenes System“ einführte.
Es gibt in der Philosophie eine lange Tradition von den alten Griechen über Hegel zu einem philosophischen Systembegriff, den L. von Bertalanffy verwendete, um sich von der naturwissenschaftlich-physikalische Vorstellung der thermodynamischen Systemen abzugrenzen. Sein Sohn meint sogar: „Die Theorie der offenen Systeme stand im krassen Gegensatz zu jener der geschlossenen Systeme, welche damals die herrschende Lehrmeinung bezüglich physikalischer Zustände darstellte“ (S. VIII).

Radikale Haushaltung

26. Mai 2011

Was ist der Unterschied zwischen ÖkoNomie und ÖkoLogie? Wenn ich den etymologie-schnickschnack mitmache, glaube ich, dass Öko für Haus steht, Nomos für Geld(gesetzmässigkeiten) und Logie für Lehre. Ökonomie würde also Geldgesetzmässigkeiten im Haus oder Haushalt bezeichnen und Ökologie wäre ein Lehre über das Haus oder das Haushalten.

Ich neige aber dazu, Kunstwörter wie Öko nicht so einfältig zu deuten, sondern darauf zu achten, welche Differenzen sie bezeichnen: Was heisst Öko im Unterschied zu Haus oder Haushalt? Denn diese beiden Wörter hatten wir ja bereits, als Ernst Haeckel 1866 den Ausdruck kreierte und schrieb: „Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle ‚Existenz-Bedingungen‘ rechnen können. Diese sind theils organischer theils anorganischer Natur.“ Mir fällt auf, dass E. Haeckel einen sehr spezielllen Haushalt beobachtete, nämlich den Organismus selbst und nicht den äusseren Haushalt, in welchem der Organismus lebt. Öko bezeichnet in diesem Sinn also eine metaphorische Übertragung auf den Organismus, welcher von E. Haeckel als haushälterische Organisation beobachtet wurde. Wenn ich von meinem Haushalt spreche, spreche ich normalerweise nicht von meinem Körper, aber ich spreche durchaus auch von meinem Körperhaushalt.

Als sich lange vor „Ökologie“ der Ausdruck „Oekonomie“ ab dem 16. Jhd in den europäischen Sprachen einbürgerte, war auch nicht der Haushalt gemeint, sondern der Staatshaushalt, also auch eine Metapher. Man könnte sagen, dass der eigentliche Haushalt nach oben und nach unter projiziert wurde, und dass diese Verschiebung durch Öko bezeichnet wurde.

Hinreichend abstrakt kann man mit Öko-nomie/logie die Effizient bezeichnen, mit welcher „Öko“systeme ihre Umwelt verarbeiten. Nomie und Logie bezeichnen dabei in einem hier nicht klärbaren Sinn verschiedene Momente derselben Projektion. Öko steht in diesem Sinn für die Differenz zwischen Öko und Haushalt, wobei Haushalt einen gemeinschaftlichen Prozess bezeichnet, in welchem nicht getauscht wird, während Öko einen gesellschaftlichen Prozess bezeichnet, in welchem die fehlende Gemeinschaftlichkeit politisch vermittelt wird.

Mich interessiert der Haushalt radikal und die Ökologie und die Ökonomie reflektieren die Metapher in dem Sinne, als sie zeigen, was gerade nichts mit Haushaltung zu tun hat. Darin sehe ich eine spezifische Form der Differenz: ich beobachte den Haushalt durch dessen Negationen.
Also: Was ist der Unterschied zwischen ÖkoNomie und ÖkoLogie? Egall, beide negieren das, was ich als Haus bezeichne.